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Steffi Bieber-Geske ist Journalistin, Kinderbuchautorin und -verlegerin bei Biber & Butzemann, dem Verlag für regionale Ferienabenteuergeschichten. Seit 2014 organisiert sie mit ihrem Team außerdem die Berliner Buchmesse BUCHBERLIN sowie das Kinderbuchfestival BUCHBERLINkids. Was für eine wahnsinns Gipfelstürmerin?! 10 Jahren nach der Gründung ist ihr Kinderbuchverlag nun heißbegehrt. Denn wie cool ist denn bitte die Idee Kinder in die Urlaubsplanung einzubinden? Wie Steffi mit Dursttrecken umgeht, und ihr Ziel nicht aus den Augen verliert, verät sie dir heute in ihrem Gastbeitrag…

Zwei Leidenschaften: Bücher und Journalismus

Hallo ich bin Steffi!

Meine Studienfachwahl Neuere deutsche Literatur, Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Psychologie löste damals häufig die Frage aus „Und was macht man damit?“.

Doch für mich war schon seit frühester Jugend klar: Ich will Journalistin oder Lektorin in einem Verlag werden. Denn ich war so ein Kind, dass jede Woche vier Bücher verschlag, notfalls mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Ich spoiler jetzt mal: Ich bin beides geworden – und noch so viel mehr.

Aus Versehen erfolgreich

Mit 14 schrieb ich für die Schülerzeitung, mit 15 absolvierte ich ein Praktikum bei unserer lokalen Tageszeitung – und bin direkt als freie Mitarbeiterin geblieben. Ich berichtete über Theater, Konzerte, Veranstaltungen an den Schulen und hatte bald meine eigene Kolumne, in der ich Veranstaltungstipps fürs Wochenende gab.

Fürs Studium zog ich nach Berlin, schrieb für die großen Tageszeitungen, bis mich ein Mann aus der Wirtschaft, mit dem ich ein Interview führte, für die Unternehmenskommunikation einer großen Firma abwarb. Neue Kunden kamen hinzu, ich gründete ein Redaktionsbüro und die Arbeit machte mir Spaß, weil sie ähnlich abwechslungsreich war wie der Tageszeitungsjournalismus, aber entspannter und besser bezahlt. Geplant war nichts davon, ich hab mich einfach vom Leben treiben lassen. Und natürlich war ich gut, weil ich mit Leidenschaft dabei war.

Ein unerwünschter Schups in die andere Richtung

Alles lief bestens, bis mein Hauptkunde von einem noch größeren Player geschluckt wurde. Die Zusammenarbeit wurde schwieriger und nach der Elternzeit hatte ich deutlich weniger Aufträge. Der neue Chefredakteur und ich fanden keinen Draht zueinander, – das war mir bisher noch nie passiert, dass ich mit jemandem überhaupt gar nicht konnte und er ebenso wenig mit mir.

Irgendwann kam dann von ihm der Spruch „Wenn Sie schöne Texte schreiben wollen, gehen Sie zum Tagesspiegel oder schreiben Sie ein Buch!“ Erst war ich empört, doch irgendwann an einem Wochenende setzte ich mich hin und schrieb eine kleine Kindergeschichte, einfach nur für meinen Sohn.

Eine Mutter-Kind-Kur veränderte alles

Dann wurde ich mit dem zweiten Wunschkind schwanger, war gesundheitlich etwas angeschlagen und fuhr zur Mutter-Kind-Kur nach Rügen. Zur Vorbereitung suchte ich ein Rügen-Kinderbuch und fand keins. Also schrieb ich selbst eins: eine Abenteuergeschichte, die ganz nebenbei spielerisch Interessantes über die Region erzählt und Tipps gibt, welche Ausflugsziele sich für Familien wirklich lohnen.

Da saß ich nun wieder in Elternzeit und fragte mich, was ich mit diesem Manuskript anfangen sollte. Für die Schublade war es zu schade, aber einen Verlag würde ich für so ein spezielles Thema nicht finden. Also selbst herausgeben?

Einfach machen, könnte ja gut werden!

Ich war zwar schon immer selbstständig, aber eben freiberuflich. Ich schrieb nach Kundenauftrag, hatte aber wenig Gestaltungsmöglichkeiten und konnte nie ein Projekt von Anfang bis Ende begleiten und alles selbst entscheiden. Im Studium hatte ich mich viel mit dem Verlagswesen beschäftigt, meine Magisterarbeit über „Pressearbeit im Buchverlag“ geschrieben. Sollte ich es wagen, meinen eigenen kleinen Verlag zu gründen und dieses Buch herauszugeben?

Warum nicht? Ich war in einer Situation, in der ich nicht viel zu verlieren hatte. Durch das Elterngeld war ich noch einige Monate lang finanziell abgesichert, die Kosten für Illustrationen, Layout und Druck lagen im überschaubaren mittleren vierstelligen Bereich und ich war kreativ nicht ausgelastet – also los! Der Kinderbuchverlag Biber & Butzemann wurde geboren. 

Durchbruch auf Rügen

Mit den Kindern auf der Rückbank und einigen Bücherkisten im Kofferraum fuhr ich im Frühling 2011 nach Rügen. Ich besuchte alle Buchhändler persönlich, und sie waren von „Abenteuer auf Rügen – Lilly, Nikolas und die Piraten“ begeistert. Ein klares Signal zum Weitermachen.

Ich schrieb also weitere Ferienabenteuer über Berlin/Brandenburg und Hiddensee, holte mein Erstlingswerk „Die Reise des Wasserballs – Lilly und Nikolas am Mittelmeer“ aus der Schublade, und fuhr schließlich mit vier Büchern zu meiner ersten Buchmesse. Hier kam die erste weitere Autorin an Bord.

Rasante Entwicklung trotz schwieriger Bedingungen

In den vergangenen zwölf Jahren hat sich Biber & Butzemann rasant entwickelt. Aus einem Buch wurden 85. Aus dem Selbstverlag einer mit gut 20 Autorinnen und Autoren.

Leider war nicht jedes Buch so erfolgreich wie das Erste. Bei vielen habe ich draufgezahlt. Zehn Jahre hat es gedauert, bis der Verlag wirklich schwarze Zahlen geschrieben hat. Oft fragte mein Mann mich, wie lange ich dieses Hobby noch betreiben will. Doch ich habe durchgehalten und durch meine journalistische Arbeit (lustigerweise für das gleiche Unternehmen, aber für eine andere Abteilung) das Minus aus dem Verlag ausgeglichen und so zu unserem Lebensunterhalt beigetragen.

Ich habe jede Menge Lehrgeld bezahlt! Auch die Veränderungen im Buchmarkt haben mir immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Aber ich habe es immer als Chance gesehen, dazuzulernen.

Einfach nicht aufgeben

Ich war immer felsenfest davon überzeugt, dass für meine Bücher ein Markt da ist, dass Eltern sich regionale Kinderbücher für die Ferien wünschen. Das wurde mir auch oft genug bestätigt! Mir fehlte nur einfach das Kapital und als Einzelunternehmerin auch die Zeit, meinen Verlag bekannt genug zu machen. Das hat nun die Zeit für mich mit erledigt. 

Inzwischen verreisen in ganz Deutschland jedes Jahr Tausende Familien mit unseren Büchern. Wir dürfen dazu beitragen, dass ihr Urlaub spannend und entspannt zugleich wird. Es gibt Kinder, die unsere Bücher in der Schule als Lieblingsbücher vorstellen. Ich werde zu Lesungen eingeladen und darf Kindern erzählen, wie eigentlich ein Buch entsteht. Und ich kann gar nicht sagen, wie glücklich mich das alles macht.

Brennen, nicht ausbrennen

In meinem Arbeitsalltag beschäftige ich mich heute mit allem, was ich liebe: Bücher, Reisen und das Schreiben. Und um Indie-Verlagen wie meinem zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, habe ich 2014 den Bücherzauber e.V. gegründet, der heute die drittgrößte deutsche Buchmesse BUCHBERLIN sowie das Kinderbuchfestival BUCHBERLINkids organisiert. Auch das macht unheimlich viel Spaß.

Ich arbeite wahnsinnig gern und wahnsinnig viel, werde aber immer wieder von meinem Körper teilweise schmerzhaft daran erinnert, dass ich nicht unbegrenzt belastbar bin. Meine aktuell wichtigste Challenge ist daher ein Leben in Balance. Um aus meinem selbst gebauten Hamsterrad herauszukommen und meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun, bin ich im November 2021 nach Dänemark gezogen. Hier habe ich mir einen weiteren Lebenstraum erfüllt: in Ostseenähe zu leben, zumindest überwiegend, denn ich pendle zwischen Berlin und Sonderburg. Nur an der Balance muss ich weiterhin arbeiten.

Lessons learned:

  1. Tu das, was du liebst, gut kannst und was dir leicht von der Hand geht, egal was andere davon halten.
  2. Sorge trotzdem für ausreichende finanzielle Sicherheit, zum Beispiel durch einen Teilzeit-Brotjob. Kreativität wächst nicht in Existenzangst.
  3. Erfolg braucht entweder Geld und Risiko oder die Möglichkeit, sich in Ruhe zu entwickeln. Mach dir das bewusst und entscheide dich.
  4. Prüfe von Anfang an, was du abgeben kannst, weil andere das schneller und besser erledigen, oder weil es einfach nötig ist. Als Verleger oder Autor kannst du zum Beispiel nicht auf ein professionelles Lektorat und Korrektorat verzichten, egal wie gut du selbst sprachlich bist. Ich habe außerdem u. a. Grafikdesigner, Webdesigner, Steuerberater.

Gipfelstürmerinnen gesucht!

Teile dein Wissen und inspiriere andere Selbstständige mit deiner authentischen Erfolgsgeschichte.

Egal, ob als Blogbeitrag oder Podcast-Folge, deine Erfahrung ist jederzeit ❤-lich willkommen!

Lust bekommen? Super!

Bilder:
1) Steffi Bieber-Geske
2) Pierre Adenis
3) Steffi Bieber-Geske
4) Steffi Bieber-Geske

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